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Der Justin-Lee-Schultz-Outside-Lick, oder: Wie du absichtlich die "falschen" Töne spielst und dafür Applaus kassierst

Ein paar Sekunden herrlich "falscher" Töne, die trotzdem punktgenau landen.

Manche Licks flüstern. Dieser hier stolziert mit Sonnenbrille in dein Solo, spielt eine Handvoll technisch "falscher" Töne und fordert dein Gehör auf, sich zu beschweren. Wird es nicht — denn richtig gemachtes Outside-Spiel klingt nicht nach Fehler, sondern nach voller Absicht. Und zwar laut.

Das ist ein kurzer, von Justin Lee Schultz inspirierter Outside-Lick für Gitarre, gebaut auf Upper-Structure-Dreiklängen und chromatischer Superimposition. Nur ein paar Sekunden lang, aber darin steckt ein ganzer Nachmittag Theorie — genau die Art von modernem, ausgefuchstem Vokabular, bei der alle fragen: "Moment, welche Tonleiter war das?"

Wie dieser Outside-Lick funktioniert

Der Trick beim "Outside"-Spiel ist kein Chaos — es ist ein kontrollierter Umweg. Statt in der Tonleiter herumzunudeln, die zu deinem Akkord passt, überlagerst du eine andere Form darüber: einen Upper-Structure-Dreiklang oder ein Arpeggio aus einer benachbarten, absichtlich reibenden Tonart. Über deinem Heimatakkord landen die Töne dieses Dreiklangs auf Tensions und "Avoid Notes", und das Ganze wird spannungsgeladen, schimmernd, ein bisschen falsch — im allerbesten Sinne. Der Zauber liegt im Timing: Du gehst für ein, zwei Schläge nach draußen und löst dann per Halbtonschritt wieder nach Hause auf. Spannung, dann Auflösung — der älteste Trick der Musik, nur im Fusion-Kostüm.

Das Konkrete zum Mitnehmen: Sprüh nicht einfach chromatische Töne und hoff das Beste. Wähl einen Ziel-Akkordton und nähere dich ihm von einem Halbton drüber oder drunter — mit einer ganzen Dreiklangsform statt eines einzelnen Durchgangstons. Genau deshalb klingt dieser Lick komponiert statt konfus: Jeder "falsche" Ton hängt an einer kurzen Leine und lehnt sich schon zum "richtigen" hinüber. Üb ihn langsam, setz die Auflösung punktgenau auf den Schlag, und dein Gehör verzeiht dir absolut alles, was du auf dem Weg dorthin angestellt hast. Wer die Mechanik dahinter will, schaut sich auch chromatische Ansätze und die Pentatonik-Superimposition an.

Faire Warnung: Sobald du auf Kommando outside spielen kannst, machst du es ständig — auf Partys, über Omas Lieblingsballade, überall. Ich übernehme keinerlei Verantwortung. Du willst Tab, Guitar-Pro-Datei und die Originalclips? Die wohnen auf meinem Patreon.