String Skipping klingt nach dem Einfachsten der Welt: eine Saite spielen, die nächste ignorieren, die übernächste spielen. Dann probierst du es, und dein Plektrum streift genau die Saite, die du in Ruhe lassen wolltest. Glückwunsch, du hast eine ganz normale Anschlagshand.
Das hier ist die Fehlersuche-Version meiner ausführlichen String-Skipping-Anleitung →, in der ich zwei Licks meiner Band Atomic Symphony zeige. Hier geht es darum, was typischerweise schiefläuft und was oft hilft.
Zuerst: Was ist String Skipping überhaupt?
Applied Guitar Theory definiert es schlicht: Nacheinander gespielte Töne liegen auf nicht benachbarten Saiten, du überspringst also zwischen zwei gespielten Tönen mindestens eine Saite. Mehr ist es nicht. Alles Weitere dreht sich darum, es sauber hinzubekommen.
Fehler 1: Du schaust nie auf deine Anschlagshand
Gitarrenlehrer Tom Hess beschreibt einen Schüler, dessen String Skipping bei höherem Tempo auseinanderfiel. Das erste Problem, das ihm auffiel: Der Schüler sah seiner eigenen Anschlagsbewegung nicht zu. Eine Bewegung, die du nie ansiehst, kannst du nicht korrigieren. Schau dem Plektrum ein paar Minuten zu, am besten langsam. Das ist demütigend, aber der Spiegel im Fitnessstudio auch.
Fehler 2: Das Plektrum klettert nie aus dem «Graben»
Laut Hess muss das Plektrum bei der Skipping-Bewegung ausserhalb der Saiten kommen, damit es die zu überspringende Saite nicht trifft. Den Raum zwischen den Saiten nennt er «the string trench», den Graben: Das Plektrum bleibt darin, solange du auf einer Saite spielst, und klettert nur heraus, wenn es zur nächsten reisen muss. Nimmt dein Plektrum die direkte Route durch die übersprungene Saite, hörst du das.
Fehler 3: Die Bewegung ist viel grösser als nötig
Das Gegenteil. Hess hält fest, dass String Skipping eine grössere Bewegung braucht als benachbarte Saiten, dass es aber umso leichter ist, schnell zu spielen, je kleiner du die Anschlagsbewegung hältst. Achte auf den Bogen, den dein Plektrum beschreibt, und halte ihn so klein, wie es geht. Der Haken: Mach ihn nicht so klein, dass die Töne an Artikulation verlieren.
Fehler 4: Du übst nur eine Anschlagsrichtung
Applied Guitar Theory empfiehlt, sowohl mit Inside Picking als auch mit Outside Picking zu üben: Beim Inside Picking schlägst du auf der Innenseite der beiden Saiten an, beim Outside Picking auf der Aussenseite. Viele von uns haben eine Lieblingsrichtung und weichen der anderen still aus. Behandle es wie Zahnseide: Niemand mag die schwächere Seite, und genau deshalb braucht sie die Arbeit.
Fehler 5: Erst Tempo, dann Kontrolle
Hess nennt zwei Dinge, die String Skipping bei hohem Tempo bremsen: die Synchronisation beider Hände und übermässige Muskelspannung in der Anschlagshand. Seine Aussage: Die Hände geraten leichter aus dem Takt, wenn das Plektrum Saiten überspringt, und eine verspannte Hand macht den Wechsel von Saite zu Saite schwerer. Die Antwort von Applied Guitar Theory ist schlicht: Metronom benutzen, langsam anfangen, jeden Ton sauber spielen und erst dann das Tempo erhöhen. Das sage ich in meiner ausführlichen Anleitung genauso: auswendig lernen, mit etwa halbem Tempo spielen, dann schrittweise schneller werden.
Die Hausaufgabe: ein Fünf-Minuten-Drill
- Nimm eine offene Akkordform, wie es Applied Guitar Theory tut, und spiele ihre Töne auf zwei nicht benachbarten Saiten, dann auf einem anderen Saitenpaar.
- Stell das Metronom so langsam, dass jeder Ton sauber klingt.
- Spiel es einmal mit Inside Picking und einmal mit Outside Picking.
- Beobachte deine Anschlagshand und halte die Bewegung klein, aber frei von der übersprungenen Saite.
- Erhöhe das Tempo erst, wenn es sauber klingt.
Nimm die Idee danach in echte Musik mit, zum Beispiel in einen melodischen Rhythmus aus gleichmässigen Achteln, und prüf dabei gleich deine Abschläge und Aufschläge.

Quellen: Applied Guitar Theory, String Skipping Exercises for Guitar · Tom Hess, 5 Ways To Play With Faster & Cleaner String Skipping Speed
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