Es gibt eine ganz besondere Art von Demut, reserviert für den Moment, in dem du selbstbewusst Master of Puppets anstimmst, nach drei Tönen merkst, dass du auf der A-Saite statt auf der tiefen E gestartet bist — und das auch noch in einem Tempo, das selbst Lars ablehnen würde. Genau diesen Moment hält dieser Clip liebevoll auf Kamera fest, damit das Internet ihn für immer genießen kann.
Das hier ist das Intro-Riff (und ein kleines bisschen darüber hinaus) von Metallicas Master of Puppets auf der Gitarre — wohl das ikonischste Downpicking-Riff des Thrash Metal. Auf dem Tab sieht es einfach aus. Ist es nicht. Es ist eine Unterarm-Ausdauerdisziplin im freundlichen E-Moll-Kostüm.
Wie das Master-of-Puppets-Riff wirklich funktioniert
Der Motor dieses Riffs sind ausschließlich Abschläge, kein Schummeln mit Aufschlägen. Genau das erzeugt den aggressiven, gleichmäßigen Anschlag, für den Metallica berühmt ist. Darunter liegt ein straffes Palm Mute: der Handballen deiner Schlaghand ruht leicht auf den Saiten nahe der Brücke, damit jeder Ton ein kurzes, knackiges Bellen wird statt eines offenen Klingens. Dazu die tiefe Pedal-E, die unter einem chromatischen Abstieg hämmert — und schon hast du dieses unverkennbare, bedrohliche Kriechen.
Der praktische Tipp: Jage nicht zuerst dem ~212-bpm-Tempo hinterher. Stell das Metronom auf etwas peinlich Langsames, bring den Abschlag samt Mute bei sagen wir 100 bpm sauber hin und dreh erst dann in kleinen Schritten hoch, wenn dein Unterarm keine Beschwerden mehr einreicht. Tempo ist ein Nebeneffekt sauberer, entspannter Abschläge — kein Ziel, das man frontal angreift. Kleine Bewegungen, lockeres Handgelenk, kein Todesgriff am Plektrum.
Und ja, im Video starte ich auf der falschen Saite und ein bisschen zu schnell, weil meine Hände mich offenbar auch nach all den Jahren gern demütig halten. Wenn du gern zusiehst, wie ein Gitarrenlehrer von einem Riff aus 1986 verprügelt wird — oder du das PDF und die Guitar-Pro-Datei willst — die liegen drüben auf meinem Patreon.