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Ich habe dem Can Can ein Verzerrer-Pedal gegeben und um Anstand gebeten (er hat abgelehnt)

Der Tanzsaal-Hit von 1858, der keine Ahnung hatte, wie nah er einem Moshpit war.

Irgendwann 1858 schrieb Jacques Offenbach eine Melodie, die so ausgelassen frech war, dass Pariser Tänzerinnen und Tänzer so lange die Beine warfen, bis die Polizei einschritt. Spulen wir vor: Ich habe genau dieser Melodie ein Verzerrer-Pedal, Blast-artige Drums und die klare Ansage „jetzt sei mal ruhig" verpasst. Liebe Lesende, ruhig war da gar nichts.

Dieser 57-Sekunden-Clip ist der Can Can — eigentlich der „Galop Infernal" aus Orpheus in der Unterwelt — wiedergeboren als Metal-Gitarren-Cover. Dieselbe schamlose Energie, mehr Gain und Drums, die ich mir im Geiste von El Estepario Siberiano geborgt habe (der das mit einer Hand und einem Fuß pulverisieren würde, aber lasst mir doch den Traum).

Wie aus dem Can Can wirklich Metal wird

Der Clou: Offenbach hat die Schwerstarbeit längst erledigt. Der Galop Infernal lebt von unerbittlichen Achtelbewegungen in einer hellen Dur-Tonart — meist rund um D-Dur notiert — und Metal läuft mit exakt demselben Motor: schnelle, gleichmäßige Unterteilungen und eine Rhythmusgruppe, die den Puls einhämmert. Man reharmonisiert also gar nichts. Man behält die Melodie Note für Note, legt sie auf einen angezerrten, palm-gedämpften Gitarrensound und lässt die Drums die Umdeutung übernehmen. Das Ohr hört „aggressiv", bevor es „falsch" hört.

Der eine echte Kniff ist das Palm Muting der tiefen Antworttöne, damit die Melodie oben klar bleibt, während das Fundament untenrum chuggt. Konkreter Tipp: Nimm irgendeine muntere klassische Melodie in Dur, behalte die Tonhöhen, aber artikuliere die Off-Beats mit gedämpftem, angeschlagenem Ton statt mit singendem Legato — sofortige Genre-Transplantation, null Theorie-Hausaufgaben. Genau dieser Trick steckt hinter jedem meiner Pop-wird-Metal-Cover.

Wer den echten Tab und den Backing Track will, damit auch die Nachbarn am Tanzsaal-Chaos von 1858 teilhaben, findet beides auf meinem Patreon — Cancan-Beinwürfe sind optional, aber ausdrücklich erwünscht.