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Symphony X' „Nevermore"-Riff: Der verminderte Sound, bei dem jeder Akkord klingt, als hätte gerade der Bösewicht den Raum betreten

Sechsundzwanzig Sekunden gestapelte kleine Terzen, eine sehr nervöse Tonart und ein Riff, das sich kein einziges Mal entspannt.

Manche Riffs klingen wütend. Manche traurig. Dieses hier klingt, als würde es etwas aushecken — und ehrlich gesagt tut es das auch. Das Nevermore-Riff von Symphony X ist Michael Romeo in Reinform: Er nimmt eine Tonleiter, um die die meisten Spieler höflich einen Bogen machen, und baut daraus eine ganze gespannte, filmreife Wand. Wenn deine Gitarre je klingen sollte wie der Moment, in dem im Horrorfilm das Licht flackert — das ist deine Tonleiter.

Dieser Clip ist Riff #25 aus meiner Reihe — sechsundzwanzig Sekunden, in denen ich die verminderte Figur isoliere, damit du wirklich siehst, wie sie verdrahtet ist. Kein Geheimnis, keine Nebelmaschine, nur gestapelte kleine Terzen, die sich danebenbenehmen. Eine perfekte kleine Studie darüber, wie verminderte Harmonik schweres Prog-Metal-Riffing antreibt.

Wie der verminderte Sound funktioniert

Der ganze Trick ist dieser: Die verminderte Welt besteht komplett aus gestapelten kleinen Terzen. Nimm ein Verminderter-Septakkord-Arpeggio — Grundton, kleine Terz, verminderte Quinte, doppelt verminderte Septime — und jeder Ton sitzt exakt drei Bünde vom vorherigen entfernt. Weil sich das Intervall nie ändert, ist die Form vollkommen symmetrisch: Du kannst denselben Griff drei Bünde nach oben schieben, und es ist buchstäblich derselbe Akkord mit einem anderen Namen. In Nevermore nutzt Romeo genau das, indem er diese Symmetrie mit der oktatonischen (verminderten) Tonleiter koppelt — einem achttönigen Muster aus abwechselnd Ganz- und Halbtönen, das nur so vor Tritoni strotzt, jenem Intervall, bei dem sich dein Ohr auf den Aufprall vorbereitet.

Die konkrete Erkenntnis: Ein vermindertes Riff löst sich nie auf — und genau das ist der Sinn. Jeder Ton will irgendwohin, keiner kommt je an, und diese permanente Unruhe gibt der Figur ihre dunkle Prog-Metal-Bedrohlichkeit. Üb es langsam über einem einzelnen tiefen Pedalton und hör auf die Spannung — denselben rastlosen Sog hörst du in anderen oktatonischen Riffs, und er ist die Kehrseite des süßeren harmonisch-Moll-Aromas, das Romeo ebenfalls liebt.

Kleine Warnung: Sobald es mit dem Verminderten klick macht, wirst du versuchen, es überall reinzuschmuggeln — auch in Songs, die vollkommen glücklich in Dur waren. Wenn du die Guitar-Pro-Datei und die Zeitlupen-Version willst, liegen die bei Patreon — dort, wo die Bösewicht-Musik wohnt.