Jeder Gitarrist hat sich irgendwann auf einen Barhocker gesetzt, sehnsüchtig in die Ferne gestarrt und "I've seen a million faces … and I've rocked all of them" genuschelt. Meistens über einem Bier, das er nicht bezahlt hat. Bon Jovis "Wanted Dead or Alive" ist im Grunde die offizielle Hymne für alle, die ihren Open-Mic-Auftritt für eine Welttournee halten.
Dieser kleine Clip ist Lick #36: das sofort erkennbare Intro von "Wanted Dead or Alive", langsam genug vorgeführt, dass du es klauen kannst, bevor die Nachbarn es merken. Es ist eine Zwölfsaiten-Akustik-Figur, sie klingt wie ein ganzer Canyon und lässt dich wie einen sehr müden Cowboy klingen — im allerbesten Sinne.
Wie der Wanted Dead or Alive Intro-Lick funktioniert
Das Ganze steht in D-Moll, und Richie Sambora hat es auf einer zwölfsaitigen Akustikgitarre aufgenommen — das ist die wenig geheime Geheimzutat. Auf einer Zwölfsaitigen wird jeder Ton eine Oktave höher gedoppelt, also schimmert ein simples absteigendes Arpeggio plötzlich wie ein Kronleuchter im Saloon. Das Intro ist weder schnell noch technisch; es ist eine langsame, gezupfte Figur, die eine Dsus2/D-Form umreißt und dann eine Melodielinie nach unten führt, während die Leersaiten weiterklingen. Der eigentliche Trick, um es sauber hinzubekommen: lass die Töne ineinander klingen — nicht abdämpfen, nicht aufräumen. Genau dieses Verschwimmen ist der Punkt.
Auf einer normalen Sechssaitigen spielen? Völlig okay. Die Oktavdopplung fällt weg, aber Form und Technik sind identisch: Es ist ein Arpeggio, bei dem du jeden Ton sauber anschlägst und den ganzen Akkord aufblühen lässt. Dasselbe Prinzip wie beim Intro von Don't Cry oder House of the Rising Sun — klingen lassen, nicht abhacken.
Und das war's. Vier Takte später bist du offiziell Cowboy, reitest ein stählernes Ross und wirst in mindestens zwei Akkord-Voicings steckbrieflich gesucht. Wer das PDF, die Guitar-Pro-Datei und mich beim weiteren Vorgeben, dieses Bier bezahlt zu haben, haben will, findet alles auf meinem Patreon.