Tigran Hamasyan ist der armenische Jazzpianist, der einen 4/4-Takt anschaute, „niedlich" sagte und dann einen Groove in 35/16 schrieb, der zurückschlägt. Seine Musik auf der Gitarre zu covern ist weniger „einen Song lernen" als vielmehr „eine Geiselnahme verhandeln" — nur ist die Geisel dein eigenes Gefühl dafür, wo eigentlich die Eins liegt.
Genau das ist dieser Clip: ein kurzes, rohes Gitarren-Cover des einen Fragments aus „Entertain Me", das ich am meisten liebe — die Stelle, an der die Polyrhythmik schiebt und zieht, als wollte sie dich abwerfen. Nicht der ganze Song, nur der Abschnitt, der dicht genug ist, um mein Metronom in den Vorruhestand zu schicken.
Wie diese 5-gegen-4-Polyrhythmik wirklich funktioniert
Der Trick, der „Entertain Me" so glitschig macht, ist die Polymetrik: zwei verschiedene Taktlängen, die gleichzeitig laufen. In der Eröffnungsidee kreist eine Ebene durch 35/16 (also 5/4 plus übrig gebliebene 15/16), während eine andere Ebene stur im 4/4 bleibt — und darin steckt eine saubere 5-gegen-4-Polyrhythmik: fünf gleichmäßig verteilte Schläge, gespannt über die Zeit, die man für vier braucht. Es klingt nur nach Chaos; in Wahrheit sind es zwei sehr ordentliche Lineale, die dieselbe Sekunde in verschiedenen Einheiten messen. Falls Taktarten noch schwammig sind, ist mein Taktart-Erklärer der richtige Startpunkt.
Die konkrete, nützliche Erkenntnis: Versuch nicht, 5-gegen-4 „nach Gefühl" zu spielen. Finde das gemeinsame Raster. Fünf gegen vier geht alle 20 Sechzehntel wieder auf — also laut unterteilen, die Vier mit dem Fuß tappen und die Fünf oben drauflegen, bis das Muster einrastet und sich wiederholt. Langsame, stumpfe, unterteilte Wiederholung schlägt heldenhaftes Raten jedes Mal — dieselbe Medizin, die ich in dieser Rhythmusübung verschreibe.
Habe ich es perfekt getroffen? Absolut nicht — mein Fuß und mein Plektrum haben kurz die Scheidung eingereicht. Wer das PDF und die Guitar-Pro-Datei will, damit Fuß und Plektrum mit ordentlicher Notation leiden dürfen, findet sie auf meinem Patreon.