Radioheads „Street Spirit (Fade Out)" ist genau der Song, vor dem dich dein Gitarrenlehrer gewarnt hat: Es sieht aus wie vier Töne in der Endlosschleife, es ist auch genau das, und deshalb höhlt es dich langsam von innen aus. Thom Yorke hat im Grunde ein Schlaflied für Leute geschrieben, die aufgegeben haben – und ich zerpflücke es hier fröhlich.
Dieser kleine Clip zeigt das Fingerpicking-Muster, das das Ganze antreibt – das hypnotische, rollende Arpeggio in a-Moll, das einfach niemals loslässt. Ja, du darfst es auch mit dem Plektrum spielen, wenn du unbedingt musst. Nein, deine rechte Hand wird dir so oder so nicht danken.
Wie das Street-Spirit-Fingerpicking funktioniert
Der Trick: Die rechte Hand ist eine Maschine, die linke Hand ist die Künstlerin. Du sperrst ein einziges, unerbittliches Arpeggio-Muster ein – dieselbe rollende Zupfbewegung, immer und immer wieder – und lässt die Greifhand die Form darunter leise verschieben. Weil die Zupffigur sich nie ändert, hört dein Ohr irgendwann keine einzelnen „Töne" mehr, sondern nur noch diesen berühmten hypnotischen Klangteppich. Dasselbe Prinzip steckt hinter Dust in the Wind: Das Muster ist der Groove, und die Harmonie rutscht einfach darin herum.
Konkret: Metronom an, gib deinen rechten Fingern genau eine Aufgabe und verbiete ihnen zu improvisieren. Mach das Zupfen so automatisch, dass es langweilig wird, und BEWEGE ERST DANN die linke Hand. Wenn du diesen Motor noch baust, sind die einfachen Fingerpicking-Muster die Stelle, an der du die Zahnräder schmierst – und falls das Wort „Arpeggio" hier gerade Schwerstarbeit leistet, erkläre ich auch, was ein Arpeggio eigentlich ist.
Spiel es lang genug, und du erreichst entweder Erleuchtung oder dissoziierst sanft in a-Moll – für 35 Sekunden Gitarre echt ein fairer Deal. Tabs und Guitar Pro gibt's auf meinem Patreon, wo die Noten liegen und die existenzielle Verzweiflung gratis ist.