Paul Gilbert spielt Arpeggien nicht, er lässt sie über Hürden springen. Dieser Lick — seine „Olympic"-Arpeggien — nimmt Akkordformen, die man normalerweise sweept, und schickt deine Anschlagshand stattdessen über eine übersprungene Saite, als ginge es um Gold im 110-Meter-Saiten-Sprint.
Es sind vierzehn Sekunden, in denen ich versuche, mit einem Mann mitzuhalten, der jeden einzelnen Ton im Wechselschlag anschlägt, wo Normalsterbliche (hallo) einfach schummeln und sweepen würden. PDF und Guitar Pro liegen unten bereit, falls du in hoher Auflösung leiden möchtest.
Wie der Olympic-Arpeggien-Lick funktioniert
Der Trick heißt String Skipping: Statt ein Arpeggio über benachbarte Saiten zu sweepen, überspringt Gilbert die mittlere Saite komplett und schlägt die ganze Form im Wechselschlag an. Dieselben Töne wie beim gesweepten Arpeggio, völlig anderer Klang — der Sprung über die tote Saite gibt jedem Ton ein perkussives, weit gespreiztes „Boing", das ein weicher Sweep nie hinbekommt.
Konkreter Tipp: Fang lächerlich langsam an, mit striktem Abwärts-Aufwärts-Wechselschlag, und dämpfe die übersprungene Saite mit Handballen und Greiffingern, damit sie mucksmäuschenstill bleibt. Die ganze Illusion bricht in dem Moment zusammen, in dem die mittlere Saite mitklingt — Sauberkeit schlägt hier jedes Tempo.
Triffst du es, klingst du wie jahrelang trainiert; erwischst du die Saite, klingst du, als wärst du live im Fernsehen über die letzte Hürde gestolpert. Auf Patreon gibt's das Tab und die Zeitlupen-Wiederholung.