Es gibt eine besondere Sorte Riff, bei der man erst mal prüft, ob der Amp kaputt ist, die Saiten tot sind oder das Universum einen einfach hasst. Das Intro von Opeths „Deliverance“ ist alles drei gleichzeitig, mit voller Absicht, und es ist grandios. Eine halbe Minute tiefes, ächzendes Grauen, das trotzdem irgendwie groovt.
Dieser kleine Clip nimmt genau dieses tritonusbasierte Intro-Riff auseinander. Es ist die dunkle, dissonante Prog-Metal-Figur, die den ganzen Song trägt, und die gute Nachricht für deine Finger: Es klingt zehnmal schwerer, als es sich tatsächlich spielen lässt.
Wie dieses Tritonus-Riff funktioniert
Das Ganze dreht sich um den Tritonus, jenes Intervall, das Theorie-Nerds das Teufelsintervall nennen. Er liegt sechs Halbtöne auseinander, teilt die Oktave exakt in der Mitte und ist der ruheloseste, ungelösteste Klang der westlichen Musik. Opeth lehnt sich einfach darauf, weigert sich, ihn aufzulösen, und lässt ihn köcheln. Jetzt der richtig nerdige Teil: Der Tritonus ist sein eigenes Komplementärintervall – dreh ihn um, und du bekommst wieder einen Tritonus. Deshalb klingt er immer gleich unheimlich, egal auf welchem Ton du sitzt.
Praktisch: Stimm einen Ganzton tiefer für diesen höhlenartig tiefen Ton, halt den Handballen fest auf dem Steg, damit jeder Ton abgewürgt und schwer klingt, und lass die Pausen zwischen den Tönen die Angst machen. Die Erkenntnis: Grauen ist genauso eine Rhythmustechnik wie eine Frage der Tonhöhe. Wenn deine Palm Mutes matschig sind, verpufft die ganze Bedrohung, also übe die zuerst.
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