Gitarre

Motivation oder Disziplin? Was bringt mich ans Ziel?

Motivation bringt dich an den Start. Disziplin ans Ziel.

Motivation oder Disziplin? Was bringt mich ans Ziel?

Motivation oder Disziplin – was bringt mich ans Ziel beim Gitarre üben

Man sagt ja:

Motivation bringt dich an den Start. Disziplin ans Ziel.

Denk mal an etwas, das du gelernt hast. Etwas, das dir heute noch vorkommt, als wäre es gestern gewesen. Du hast es eine Stunde lang gelernt. Es hat mehr oder weniger geklappt. Am nächsten Tag setzt du dich wieder hin – und es ist wieder bei Null. Warum? Was soll denn das?

Unser Hirn vergisst nie. So zumindest die Meinung von Freud. Aber unser Hirn ist sehr gut darin, Dinge zu verdrängen. Brauchen wir jemals wieder ein C-Major-Arpeggio vom ersten Bund bis zum 24. Bund über das ganze Griffbrett und über alle Saiten? Eher nicht. Weg damit.

Blöd nur, dass genau das eigentlich das ist, was wir speichern wollen.

Also wie zwingen wir unser Gehirn dazu, etwas zu speichern und vor allem schnell wieder abzurufen? Indem wir es immer und immer wieder machen. So oft, bis es so präsent in unserem Kopf ist, dass unser Hirn irgendwann sagt:

„Naja, irgendwie muss das für den Typen, der mich so unendlich damit nervt, wichtig sein. Also komm, speichern wir es halt dauerhaft ab.“

Motivation reicht nicht

Motivation ist gut, um mit etwas zu beginnen. Es gibt Menschen, die lassen sich sofort für etwas begeistern. Sie kaufen die beste Gitarre, den besten Amp, ein Studio-Klinkenkabel für 100 USD, lassen alles noch von Slash signieren und beginnen dann mit dem ersten Lied: Happy Birthday aus einem YouTube-Tutorial.

Am nächsten Tag ist der Zauber aber verschwunden. Gitarre spielen ist ja gar nicht so magisch. Wann kann ich endlich Sweet Child O’ Mine spielen? Wie machen das die anderen?

Nein. Es ist nicht magisch. Es ist auch keine Magie. Es ist reine Disziplin.

Und auch wenn du den besoffenen Gitarristen auf der Bühne siehst, der dir etwas runterschreddert, dabei noch eine Zigarette im Mund hat und behauptet, er hätte nie geübt – auch der hat geübt. Vielleicht einfach anders als du. Vielleicht sass er jeden Abend mit seinen Freundinnen und Freunden im Bandraum und hat einfach herumgeklimpert.

Ja, auch das ist am Ende schlicht und einfach Üben. Es ist vielleicht nicht der effizienteste Weg. Aber es ist ein Weg.

Jeder übt anders

Am Ende kommt es nicht darauf an, wie du übst. Hauptsache, du übst. Und Hauptsache, es macht für dich Sinn.

Für mich macht es zum Beispiel Sinn, einen festen Ablauf zu haben. Wenn ich mich hinsetze, weiss ich: Jetzt mache ich Übung 1, dann Übung 2, dann Übung 3. Stimmt die Reihenfolge nicht, bekomme ich einen Anfall.

Für jemand anderen ist genau diese Taktik aber der grösste Horror. Vielleicht möchte diese Person lieber im Bandraum sitzen und ein Riff oder Lick „erfinden“ und so lange gemeinsam mit der Band daran herumbasteln, bis es sitzt. Die ganze Band kann es nämlich auch nicht. Also ist es gemeinsames Üben.

Und gemeinsames Üben ist für manche Menschen einfacher, als alleine zu üben und sich ständig zu fragen, ob man eigentlich zu dumm dafür ist.

Nein. Du bist nicht zu dumm dafür. Einfach nur zu faul.

(Davon gehe ich jetzt einfach mal aus, wenn du das hier liest! 😛)

Intrinsische Motivation

Intrinsische Motivation ist eine Voraussetzung, um überhaupt etwas zu lernen. Egal ob Gitarre, Italienisch oder Algebra – du musst dich selbst motivieren können. Und um dich zu motivieren, gibt es ein paar ganz gute Ansätze.

Setze dir ein Ziel

Sage nicht:

„In einem Jahr kann ich Master of Puppets mit beiden Soli auf 100 % Tempo spielen.“

Das wäre … na ja.

Unrealistisch vielleicht gar nicht. Aber es kommt auf den Menschen an.

Frag lieber eine Gitarrenlehrperson:

„Ist es für mich realistisch, das in dieser Zeit zu schaffen?“

Die Gitarrenlehrperson wird wahrscheinlich nicht einfach „Ja“ oder „Nein“ sagen. Sie wird sagen:

„Es kommt auf dich an.“

Lernst du jeden Tag ein bis zwei Stunden? Diszipliniert? Teil für Teil? Lernst du die Techniken, die dafür nötig sind? Dann könnte es unter Umständen möglich sein.

Aber warum überhaupt genau dieses Ziel?

Setz dir lieber mehrere Ziele.

  • Grosses Ziel: In einem Jahr Master of Puppets (ohne Soli) mit 100 % Tempo durchspielen.
  • Kleine Ziele:
    • Das Intro in einem Monat mit 80 % Tempo.
    • Danach den ersten Teil.
    • Dann den zweiten.
    • Und so weiter.

Jetzt hast du etwas, das du messen kannst. Erreichst du dein Ziel nach einem Monat? Oder übertriffst du dich sogar? Dann siehst du deinen Fortschritt.

Und genau das motiviert dich, weiterzumachen.

Zum Schluss

Ich mache das übrigens genauso.

Auch ich habe Tage, an denen ich überhaupt keine Lust habe, Gitarre zu spielen. Dann sage ich mir nicht:

„Heute muss ich eine Stunde üben.“

Ich sage mir einfach:

„Komm. Fünf Minuten.“

Meistens werden aus fünf Minuten plötzlich zwanzig oder dreissig.

Und wenn nicht?

Dann waren es immerhin fünf Minuten mehr als gestern.

Und ehrlich? Du bist schon ein bisschen speziell, wenn du dich selbst motivieren kannst. Das heisst nämlich, dass du etwas kannst, das viele andere nie schaffen – zum Beispiel, na ja, tatsächlich Gitarre spielen.

Mein Tipp für dich: Nimm dir heute fünf Minuten Zeit und überlege dir ein grosses Ziel und drei kleine Zwischenziele. Schreib sie auf. Häng sie irgendwo hin, wo du sie jeden Tag siehst. Du wirst überrascht sein, wie motivierend es ist, Dinge abhaken zu können.

Und falls du heute überhaupt keine Lust hast zu üben …

… dann übe trotzdem fünf Minuten.

Dein Gehirn wird sich irgendwann geschlagen geben.

Nerv es einfach lange genug. 😄

Kommst du trotz viel Übung nicht weiter? Dann wirf einen Blick auf Ich stecke fest, obwohl ich viel geübt habe – „Was soll ich ändern?“ – das passt bestens zu allem hier oben.

Und falls dich das kurz motiviert hat, die Gitarre für fünf Minuten in die Hand zu nehmen, kannst du mir auf Patreon einen Kaffee ausgeben – kein Druck, rein für die Riffs.