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Der Hybrid-Picking-Lick, oder: Wie Plektrum und Finger sich endlich einen Auftritt teilen

Zwei Werkzeuge in der rechten Hand, ein Lick, null unangenehme Saitensprünge.

Dein Plektrum und deine Finger führen seit dem Tag, an dem du zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand genommen hast, einen passiv-aggressiven Kleinkrieg. Das Plektrum kümmert sich um die „ernsten“ Saiten, die Finger schmollen in der Ecke und machen an ihren freien Tagen Fingerstyle, und keiner will zugeben, dass der andere zu irgendetwas nütze ist. Hybrid Picking ist Paartherapie für deine rechte Hand – und dieser kleine Lick ist die erste Sitzung.

Das hier ist Riff #3 aus dem Archiv: ein 25-sekündiger Hybrid-Picking-Lick, bei dem das Plektrum eine Saite anschlägt, während Mittelfinger (und vielleicht Ringfinger) die anderen zupfen. So springst du über die Saiten, ohne das hektische, unbeholfene Plektrum-Gehüpfe, das aus einer sauberen Linie sonst gern eine kleine Lawine macht. Genau diesen Trick nutzen Country-, Rock- und Fusion-Spieler ständig – und er ist überraschend zugänglich, sobald du das Plektrum nicht mehr als einzigen stimmberechtigten Bürger behandelst.

Wie dieser Hybrid-Picking-Lick wirklich funktioniert

Die ganze Idee ist Arbeitsteilung. Dein Plektrum macht weiter, was es gut kann – saubere, druckvolle Anschläge, meist auf der tieferen von zwei Saiten – während dein Mittelfinger (das „m“ in der klassischen Terminologie) fast im selben Moment die höhere Saite zupft. Weil beide Anschläge gleichzeitig landen, statt dass ein Plektrum-Schlag über einen Saitensprung hetzt, klingen weite Intervallsprünge, die sonst einen riesigen, schludrigen Sweep verlangen würden, plötzlich präzise und gleichmäßig. Der Clou: Zwei benachbarte (oder nicht benachbarte) Saiten erklingen sauber, ohne dass dein Plektrum jemals physisch dazwischen reisen muss.

Konkret zum Mitnehmen: Fang absurd langsam an und verankere die Bewegung in der Fingerkuppe, nicht im ganzen Arm. Nimm dir eine Zwei-Saiten-Form, spiel den tiefen Ton mit dem Plektrum und den hohen mit dem Mittelfinger als einen einzigen „Schnapp“, und leg erst dann Tempo drauf, wenn beide Töne exakt gleich laut klingen. Ist der gezupfte Ton leiser, verlässt du dich aus Gewohnheit aufs Plektrum – vertrau dem Finger. Wenn es einmal klick macht, ist das die Einstiegsdroge zu Country-Chicken-Pickin', weiten Pentatonik-Hybrid-Licks und einem ganzen Regal weiterer Gitarrentechniken, die sich plötzlich nicht mehr unmöglich anfühlen.

Schnapp dir das gratis PDF und die Guitar-Pro-Dateien, loop den Lick, bis dein Mittelfinger aufhört, Beschwerden einzureichen, und wenn du mehr von diesen kleinen Riffs und Licks willst (plus die Tabs vor allen anderen), weißt du ja, wo das gute Zeug wohnt: Patreon.