Es gibt Riffs – und dann gibt es Riffs, die mit komplettem Orchester, Chor und ungefähr der emotionalen Zurückhaltung einer Nightwish-Lichtshow aus Tarja-Zeiten anrücken. „Ghost Love Score" gehört ganz klar zur zweiten Sorte. Das Intro auf eine einzige Gitarre zu quetschen ist ungefähr so, als wollte man eine ganze Kathedrale in einen Schuhkarton stopfen – technisch machbar, spirituell fragwürdig.
Dieser 26-Sekunden-Clip zerlegt das Intro- und Ending-Riff, das den ganzen Song einrahmt. Dieselbe dramatische Figur an beiden Enden, dieselbe Tonart d-Moll, dasselbe hartnäckige Gefühl, dass man dabei eigentlich einen Umhang tragen sollte.
Wie das Intro-Riff von Ghost Love Score funktioniert
Das Ganze lebt in d-Moll und stützt sich voll auf die natürliche Moll-Tonart für diesen herrlich tragischen Symphonic-Metal-Schmerz. Auf der Platte übernehmen Streicher, Blechbläser und Chor die Schwerstarbeit; auf einer Gitarre täuschst du das ganze Orchester mit Powerchords vor – Grundton und Quinte klingen aus, und schon marschiert ein einzelnes Instrument wie eine komplette Sektion dem Untergang entgegen.
Konkreter Tipp: Leg die Melodie in die Oberstimme und halte darunter einen tiefen D-Orgelpunkt mit Palm Mutes am Brummen, damit die Melodie klar über dem Grollen sitzt. Die tiefen Töne mit Abschlägen (Downpicking) für diesen düsteren, gleichmäßigen Marschpuls – Gleichmäßigkeit schlägt hier Tempo, denn die Dramatik entsteht im Raum zwischen den Schlägen, nicht darin, sie schneller zu spielen.
Kleine Warnung: Deine Nachbarn werden ab jetzt überzeugt sein, dass du im Schlafzimmer einen Fantasyfilm vertonst – und ehrlich gesagt liegen sie nicht ganz daneben. Willst du den PDF-Tab und die Guitar-Pro-Datei, um in perfekter Notation so dramatisch zu sein? Gibt's auf meinem Patreon.