Es gibt diese eine Sorte Gitarrist, die jeden einzelnen Ton anschlägt, als schulde er ihr persönlich Geld. Ich war dieser Gitarrist. Dann entdeckte ich das Legato, wo du einen Ton anschlägst und deine Greifhand den ehrlichen Rest erledigt – und plötzlich hatte meine Anschlagshand Dauer-Kaffeepause, während meine linke Hand still um zehn Jahre alterte.
Dieser Clip ist ein kurzer Vier-Finger-Legato-Lick: ein Anschlag am Anfang, danach nur noch Hammer-ons und Pull-offs, die über alle vier Finger fließen. Eine kompakte Studie für alle, die diesen weichen, verbundenen Klang ohne sichtbare Anstrengung suchen – und ja, dein kleiner Finger ist eingeladen, ob er will oder nicht.
Wie der Vier-Finger-Legato-Lick wirklich funktioniert
Der ganze Legato-Trick besteht darin, dass du nur den ersten Ton einer Gruppe anschlägst. Jeder Ton danach kommt allein aus der Greifhand: ein Hammer-on aufwärts (du knallst einen Finger auf einen höheren Bund, damit die Saite weiterklingt) und ein Pull-off abwärts (du zupfst die Saite seitlich mit dem Finger an, den du abhebst). Alle vier Finger in einer Phrase zu benutzen zwingt das schwächste Glied – Ring- und kleinen Finger – dieselbe Lautstärke zu liefern wie den Zeigefinger, und genau da bricht das meiste Legato zusammen. Wenn Ton drei laut ist und Ton vier ein schüchternes Flüstern, ist das ein Kraft- und Druckproblem, kein Tempoproblem.
Die nützliche Erkenntnis: Übe das quälend langsam mit dem Metronom und höre auf gleichmäßige Lautstärke, nicht nur auf die richtigen Töne. Halte die Greiffinger dicht über den Saiten, damit die Hammer-ons kurze Wege haben, und lass die Pull-offs wirklich zupfen statt nur abheben. Bring zuerst die Gleichmäßigkeit hin, dann kommt das Tempo von allein – so ist es immer. Wenn du mehr davon willst: Dieselbe Greifhand-Disziplin treibt alles an, von einer fusionigen Legato-Linie im Allan-Holdsworth-Stil bis zu einer brutalen kleinen Übung für den kleinen Finger, und sie steht direkt neben dem String Skipping in der großen Kiste der Gitarrentechniken.
Schnapp dir das PDF und die Guitar-Pro-Datei, loope den Lick, bis dein kleiner Finger entweder kooperiert oder streikt, und falls dir diese Tabs etwas Leid ersparen, kannst du meine Saiten (und die Frührente meiner Anschlagshand) drüben auf Patreon finanzieren.