Ennio Morricone hat The Ecstasy of Gold für ein komplettes Orchester geschrieben, für eine wortlose Sopranstimme, die in den Wüstenwind heult, und für Clint Eastwood, der über einen Friedhof sprintet. Ich habe sechs Saiten und ein Wohnzimmer. Einer von uns hat sich klar überschätzt, und es war nicht Ennio.
Das hier ist eine Fingerstyle-MelodyChords-Version des Stücks – diese schwebende Melodie und ihre ausladende Harmonie zusammengequetscht in einen einzigen Gitarrenpart. Passenderweise ist es genau der Song, zu dem Metallica bei jedem Konzert auf die Bühne marschiert. Wenn du also nicht sofort irgendwohin in Zeitlupe laufen willst, prüf mal deinen Puls.
Wie dieses MelodyChords-Arrangement wirklich funktioniert
Der ganze Trick eines MelodyChords-Arrangements ist, dass die Melodie immer obenauf sitzt und die lauteste Stimme bleibt, während die Harmonie leise darunter summt. In Morricones Original schwebt der Sopran über einer wiegenden Arpeggio-Figur; auf der Gitarre tragen deine Finger diese Melodielinie mit etwas mehr Anschlag, während dein Daumen die Harmonie sanft darunter weiterrollen lässt. Das Ganze steht überwiegend in einer Moll-Tonart – deshalb klingt es zugleich edel und leicht todgeweiht. Sehr Spaghettiwestern, sehr Morricone.
Die konkrete Erkenntnis: Übe zuerst nur die Melodietöne, übertreibe, wie viel lauter sie als der Rest sind, und füge erst dann die Harmonie wieder hinzu. Wenn dein Zuhörer die Melodie danach mitsummen kann, hat dein Voicing funktioniert. Wenn er nur einen hübschen Klangbrei gehört hat, gewinnt dein Daumen einen Kampf, den er nie hätte anfangen sollen. Balance schlägt Tempo, jedes einzelne Mal – dieselbe Lektion wie in dem Moment, in dem du irgendeine Moll-Tonart ernst nimmst.
Ja, ich weiß, die Studioversion hat ein 60-köpfiges Orchester und ich habe einen Daumen. Aber mein Daumen verlangt keine Spesen, finanziell liege ich also vorn. Tabs und meine Guitar-Pro-Files gibt's drüben auf Patreon.