Nimm einen ganz normalen Dominantseptakkord, senke seine Quinte ab, und plötzlich passiert etwas Seltsames: Das arme Ding verliert die Orientierung und gewinnt dafür eine Persönlichkeit. Das ist der Dominant 7b5 — 1, 3, b5, b7 — und er klingt wie ein Geheimagent, der einen Raum betritt, den er sofort wieder bereut. Das ist Übung Nr. 16, mein kleiner Liebesbrief an die vier dramatischsten Töne auf dem Griffbrett.
In diesem 40-Sekunden-Clip jage ich das Dominant-7b5-Arpeggio durch den Quartenzirkel und verbinde jede Griffform mit melodischem Voice Leading, damit deine Finger gleiten statt zu teleportieren. Eine altered-Dominant-Übung für alle, die über schlichte Dur- und Moll-Arpeggien hinaus ans würzige Ende der Speisekarte wollen.
Wie das Dominant-7b5-Arpeggio wirklich funktioniert
Jetzt der Nerd-Partytrick: Der 7b5 ist symmetrisch. Buchstabiere C7b5 (C E Ges B) und Fis7b5 (Fis Ais C E) — und du merkst, dass beide exakt dieselben vier Töne enthalten. Der Grund: Die verminderte Quinte setzt den Akkord mitten in die Ganztonleiter, er hat also zwei Grundtöne, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Genau deshalb funktioniert er auch so schön als Tritonus-Substitut. Enharmonisch ist diese b5 gleichzeitig eine #11 — dieses Arpeggio ist also deine Einstiegsdroge in die altered-Dominant-Spannung.
Der praktische Punkt: Spring nicht zwischen den Arpeggien, führe sie. Wenn du eine Quarte im Zirkel weitergehst, liegen die meisten Töne nur einen Halb- oder Ganzton vom Nachbarn im nächsten Akkord entfernt — nimm also die nächstgelegene Stimme und rutsche hinüber. Übe so langsam, dass jeder Lagenwechsel eine Entscheidung ist und kein Zufall, dann verinnerlichst du Griff und Klang gleichzeitig.
Warnung: Spiel das im nächsten Solo über einen V-Akkord, und alle denken, du hättest endlich Jazz-Unterricht bezahlt. Falls dein kleiner Finger nach dieser Übung Beschwerde eingelegt hat — Tab und Guitar-Pro-Datei liegen auf meinem Patreon, wo deine Quinte immer willkommen ist.