Die Wasserlevel in Super Mario 64 sind der Moment, in dem ein Kinderspiel dich ganz beiläufig mit deiner eigenen Sterblichkeit bekannt macht. Es gibt nicht einmal eine Luftanzeige: Mario verliert einfach alle acht Sekunden still und leise ein Stück Gesundheit, bis er ganz aufhört, Klempner zu sein. Und darüber läuft ein Soundtrack, der so entspannt ist, dass er auch in der Lobby eines sehr teuren Hotels laufen könnte. Also war für mich klar: Ich lerne lieber das Stück auf der Gitarre als das Atmen.
Das hier ist mein Gitarren-Arrangement von „Dire, Dire Docks“, geschrieben von Koji Kondo für Super Mario 64 im Jahr 1996. Es ist dasselbe Thema, das man auch in Jolly Roger Bay und im Secret Aquarium hört, und im Spiel werden zusätzliche Streicher und Percussion ein- und ausgeblendet, je nachdem, wo du gerade herumschwimmst. Ein Orchester versteckt sich hinter meinem Amp leider nicht, also muss eine Gitarre das alles übernehmen.
Wie die Akkorde von Dire, Dire Docks auf der Gitarre funktionieren
Das Stück steht auf G, und sein Markenzeichen ist die Rutschpartie G – F – E♭ (Es): erst die I, dann die ♭VII, dann die ♭VI. Die letzten beiden gehören nicht zum schlichten G-Dur — Kondo borgt sie sich von der parallelen Moll-Seite der Tonart. Genau deshalb entscheidet sich das Thema nie so richtig, ob es fröhlich oder traurig sein will. Es schwebt einfach da und ist nass.
Und jetzt das Geschenk für Gitarristinnen und Gitarristen: Alle drei sind ganz normale Dur-Dreiklänge, und jeder liegt einen Ganzton unter dem vorherigen. Es ist also ein Griff, zwei Bünde tiefer geschoben, dann nochmal zwei. Keine neuen Formen, kein Nachdenken. Später stützt sich das Thema auf einen E♭maj7 — daher kommt der leichte Lounge-Jazz-Duft. Die grosse Septime von E♭ ist D: Lässt du also die leere D-Saite über deinem E♭-Griff klingen, bekommst du diese Farbe geschenkt. Es lohnt sich zu wissen, was ein Septakkord überhaupt hinzufügt, bevor man sie überall verteilt.
Der Rest ist die übliche Melodie-und-Akkorde-Arbeit: Der Daumen hält den Bass, die Melodie singt oben drüber, und du widerstehst dem Drang, schneller zu werden. Falls deine Version weniger nach „friedlicher Lagune“ und mehr nach „Mario hat ernsthaft ein Problem“ klingt, nimm das Tempo auf die Hälfte runter. Tabs, PDF und Guitar Pro gibt es auf meinem Patreon — ganz ohne Druck, rein für die Riffs. Und jetzt: auftauchen und Luft holen.