Theorie

Sieben Akkorde, eine Tonleiter, keine Ausreden mehr

Eine Fünf-Tage-Routine, die I–ii–iii–IV–V–vi–vii° endlich in deinen Fingern und deinen Ohren verankert — nicht nur auf einem Spickzettel.

Hier eine Frage, die die meisten Anfänger beim ersten Mal ins Grübeln bringt: Wenn eine Dur-Tonart "nur die weissen Tasten" ist (oder ein einziges Griffbrettmuster), warum klingt der I-Akkord hell und der ii-Akkord traurig? Gleiche Tonleiter, gleiche sieben Töne — woher kommt also der Stimmungswechsel? Robertos vollständiger Guide zur Dur-Tonart → behandelt die Tonleiter selbst und wie die Modi daraus entstehen; dieser Beitrag ist die Übungsroutine, die ich meinen Schülern tatsächlich gebe, damit die sieben diatonischen Akkorde aufhören, ein auswendig gelerntes Faktum zu sein, und stattdessen etwas werden, das deine Hände finden, ohne nachzudenken.

Tag 1: alle sieben Akkorde aus einer Tonleiter bauen

Nimm eine beliebige Dur-Tonleiter — C-Dur (C, D, E, F, G, A, H) lässt sich am leichtesten überprüfen — und staple ausgehend von jeder Stufe jeweils jeden dritten Ton: Grundton, einen Ton auslassen, den nächsten dazunehmen, wieder auslassen, den nächsten dazunehmen. Das ergibt sieben Dreiklänge, je einen beginnend auf jeder Tonleiterstufe. Schreib zuerst die Töne für alle sieben auf, bevor du die Gitarre anfasst — heute geht es um die Liste, nicht um den Griff.

Tag 2: die Qualität jedes Akkords benennen — und wissen, warum sie sich ändert

Jetzt beschriftest du jeden Dreiklang mit Dur, Moll oder vermindert. In jeder Dur-Tonart ist das Muster immer gleich: I, IV und V ergeben Durakkorde; ii, iii und vi ergeben Mollakkorde; vii° ist vermindert — bestätigt sowohl von jazz-guitar-licks.com's Aufschlüsselung der drei Dreiklangstypen in einer Dur-Tonleiter als auch von learnjazzstandards.com's Leitfaden zu diatonischen Akkorden, die beide festhalten, dass dieses Muster für jede Dur-Tonart gilt, nicht nur für C-Dur. Der Grund liegt im Intervall zwischen Grundton und Terz jedes Akkords: I, IV und V liegen auf einer grossen Terz (vier Halbtöne), ii, iii und vi auf einer kleinen Terz (drei Halbtöne), und vii° stapelt zwei kleine Terzen hintereinander, was auch seine Quinte verkleinert — genau das macht ihn vermindert statt Moll. Gleiche Tonleiter, andere Abstände zwischen den gewählten Tönen, anders klingender Akkord.

Diagramm eines Dreiklangs aus Grundton, Terz und Quinte der Dur-Tonleiter

Tag 3: die sieben in drei "Teams" sortieren

Sobald du alle sieben Qualitäten benennen kannst, gruppierst du sie nach harmonischer Funktion statt nach Tonleiterstufe — das ist eine viel nützlichere Art, über eine Akkordfolge nachzudenken als "welche Nummer ist das". In einer Dur-Tonart: Tonika = I, iii, vi (zu Hause, oder nah dran); Subdominante = ii, IV (Bewegung weg von zu Hause); Dominante = V, vii° (Spannung, die zurück zu I möchte). Spiel I, dann iii, dann vi direkt hintereinander und achte darauf, wie ähnlich sie sich anfühlen im Vergleich zum Sprung nach IV oder V — sie teilen sich je zwei Töne mit dem I-Akkord, was den grössten Teil dieser Verwandtschaft erklärt.

Tag 4: die "Teams" in eine bekannte Akkordfolge einsetzen

Spiel I–IV–V–I in einer Tonart deiner Wahl — mit Abstand das gebräuchlichste Akkordgerüst in Pop, Rock und Blues. Tausch dann das I am Anfang gegen seinen Tonika-Cousin vi: I–IV–V–vi klingt wie ein völlig anderer Song als vi–IV–I–V, obwohl es dieselben vier Akkorde in anderer Reihenfolge sind (diese spezielle Schleife wird manchmal die "Axis-Progression" genannt, gerade weil sie überall auftaucht). Beachte, dass jeder Akkord, den du in beiden Versionen spielst, einer der sieben ist, die du an Tag 1 gebaut hast — nichts Neues, nur eine neue Anordnung derselben sieben Bausteine.

Tag 5: das Ohr auf den Aussenseiter trainieren

vii° wird in echter Musik fast nie als reiner Dreiklang gespielt — es ist der verminderte Akkord, den niemand beim Namen nennt, meist kurz in einer Umkehrung auf dem Weg zurück zu I gehört. Spiel V, dann vii° direkt hintereinander und achte darauf, was sie gemeinsam haben: Beide wollen zu I auflösen, beide enthalten den Leitton, aber vii° klingt dünner und transparenter, weil ihm der Grundton von V komplett fehlt. Das ist der "Dominante, aber leichter"-Charakter, den es sich lohnt, dem Ohr beizubringen, bevor du ihn je bewusst einsetzt.

Für die Tonleiter und Modi, auf denen diese Routine aufbaut, siehe den vollständigen Dur-Tonart-Guide →; für die Beziehung zwischen einem Akkord und seinen Umkehrungen, oder für einen ersten Blick darauf, wie sich das Muster ändert, sobald du Dur und Moll vergleichst, sind das gute nächste Anlaufstellen.

Wenn das endlich dazu geführt hat, dass vii° nicht mehr wie ein zufälliger Ausrutscher klingt, kannst du mir auf Patreon einen Kaffee spendieren — kein Druck, rein für die Licks. Und jetzt geh und bau deinen achten Akkord.