Es gibt diesen einen ganz bestimmten Blick, den Leute dir zuwerfen, wenn du einen falschen Ton spielst. Jetzt stell dir vor, du spielst sechs falsche Töne hintereinander, mit voller Absicht, und Jazzmusiker nicken anerkennend. Diese Hexerei hat einen Namen: Man nennt sie „outside" spielen.
Dieser Clip ist Lick #46: die Outside-Line des Pianisten Dave Kikoski über den Klassiker „Compared to What", liebevoll geklaut und für die Gitarre neu gegriffen. Ein Mini-Crashkurs darin, wie sich bewusst „falsch" klingende Töne in etwas Hippes, Selbstgefälliges und durch und durch Anspruchsvolles auflösen.
Wie Outside Playing (und Side-Slipping) wirklich funktioniert
Das Geheimnis ist peinlich einfach: Dein Ohr verzeiht fast jeden Ton, solange du am Ende sauber landest. Der zuverlässigste Trick heißt Side-Slipping — du nimmst eine Line, die zum Akkord passt, schiebst die komplette Form einen Halbton nach oben, sodass jeder Ton plötzlich einen Halbton „falsch" ist, lässt diese Spannung kurz stehen und rutschst dann wieder zurück in die eigentliche Tonart. Weil die Outside-Töne nur einen Halbton neben den Akkordtönen liegen, löst sich alles im kleinstmöglichen Schritt auf, und unser Ohr hört das als köstliche Spannung statt als Fehler. Genau das macht Kikoski über „Compared to What": Er flirtet mit dem Ton einen Halbton daneben und löst ihn dann auf, als wäre nichts gewesen.
Die konkrete Erkenntnis: Spiel nicht wahllos outside. Outside klingt nur dann gewollt, wenn die Auflösung gewollt ist. Spiel einen Takt inside, einen Takt einen Halbton höher und lande dann auf der Eins fest auf einem Akkordton — die betonte Zählzeit ist dein Alibi. Wenn du diese Halbton-hoch-und-zurück-Bewegung beherrschst, hast du den Kern fast jeder hippen chromatischen Annäherung in der Tasche. Wer das ganze Werkzeug will, findet in meinen vier Möglichkeiten, outside zu spielen mehr dazu.
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