Es gibt Riffs, die man lernt, und es gibt Riffs, die man seit Jahren auf einer unsichtbaren Gitarre in der Küche spielt. Das Crazy-Train-Intro gehört eindeutig zur zweiten Sorte — du kennst die Töne, deine Luftgitarrenhände kennen die Töne, es fehlt nur ein echtes Griffbrett und, im Idealfall, Randy Rhoads' guter Geschmack.
In diesem Clip liegen die Intro-Riffs von Ozzy Osbournes Crazy Train sauber offen, ohne Verzerrer-Nebelwand zum Verstecken. Es ist eines der beliebtesten Intros im ganzen Metal, und — gute Nachricht für dein Ego — es ist deutlich zugänglicher, als es klingt, wenn es aus einer Stadion-PA gebrüllt kommt.
Wie das Crazy-Train-Riff funktioniert
Das Ganze steckt in F#-Moll, und hier ist das nerdige Geheimnis, warum es gleichzeitig triumphierend und düster klingt: F#-Moll teilt sich jeden einzelnen Ton mit A-Dur, seiner Paralleltonart. Während das Riff also mit beiden Füßen auf dem tiefen F# steht, hört dein Ohr ständig den hellen A-Dur-Sonnenschein, der darin versteckt ist. Dieses Tauziehen zwischen dem düsteren Grundton und der fröhlichen Paralleltonart ist die komplette Stimmung des Songs in einer einzigen Geste. Im Grunde spielt dir die Moll-Tonart hier einen Zaubertrick vor.
Der Motor darunter sind reine palm-gemutete Achtel — der berühmte „Galopp“-Chug, der das Ganze wie einen echten Zug klingen lässt. Konkreter Tipp: Verankere deine Greifhand am F# im 2. Bund als Heimatbasis, halte die tiefen Töne kurz und palm-gemutet und lass die Melodietöne obendrauf klingen. Erst die ruhige Anschlagshand, dann das Tempo. Das Riff zeichnet eine F#-Moll-Pentatonik-Form nach — wer seine Pentatonik kennt, hat die Landkarte also schon.
Und wenn du es triffst und es sofort noch vierzig Mal spielst, bis die Nachbarn eine Lärmbeschwerde erwägen — Glückwunsch, das ist genau die richtige Anzahl Wiederholungen. Für das Tab, die Guitar-Pro-Datei und die Zeitlupen-Erklärung steig in meinen Patreon ein. Alle einsteigen. Ay ay ay.