Es gibt Gitarrenriffs, die jahrelanges Shredden verlangen — und dann gibt es Come As You Are, ein Riff, das so simpel ist, dass es vermutlich deine Katze spielen könnte, und trotzdem so wiedererkennbar, dass vier Töne jeden aus dem Raum treiben, der die 90er miterlebt hat. Kurt Cobain hat im Grunde eine Basslinie geschrieben, sie einer Gitarre in die Hand gedrückt und in so viel Chorus getränkt, dass es klingt, als wäre es unter Wasser aufgenommen worden.
Dieser 41-Sekunden-Clip isoliert das Hauptriff von Nirvanas Come As You Are, damit du dich auf das Einzige konzentrieren kannst, worauf es hier wirklich ankommt: die Phrasierung und dieses berühmte wässrige Wabern. Keine Soli, keine Heldentaten — nur der Grunge-Klassiker, den insgeheim jeder in der Hinterhand haben will.
Wie das Come As You Are Riff funktioniert
Das Ganze lebt auf deinen zwei tiefsten Saiten — der tiefen E- und der A-Saite — und genau deshalb fühlt es sich eher wie eine Basslinie als wie eine Gitarrenstimme an. Im Grunde pedalst du auf einer offenen tiefen Saite, während eine kleine chromatische Figur auf der A-Saite hoch- und wieder runterwandert. Die eigentliche Kunst liegt also gar nicht in der Greifhand, sondern in der Kontrolle deiner Anschlagshand und im gleichmäßigen Palm Muting. Auf der Platte ist alles einen Ganzton heruntergestimmt, was den Sound fetter macht, aber in Standardstimmung liegt es perfekt unter den Fingern und klingt trotzdem unverkennbar nach dem Song. Falls Tabs Neuland für dich sind, bringt dich meine Anleitung zum Lesen von Gitarrentabulaturen in etwa einer Minute in Fahrt.
Und jetzt das Wichtigste zum Mitnehmen: dieser typische „wässrige" Ton ist keine Technik, die dir fehlt — es ist ein Chorus-Pedal. Cobain hat einen billigen Chorus benutzt, und kein noch so fleißiges Üben zaubert dieses Wabern ohne eins herbei. Lerne die Töne also erst sauber und trocken, mach die Phrasierung sattelfest, und dreh dann erst den Chorus rein. Kleines Theorie-Häppchen: Das Riff schwebt um eine Moll-Tonalität mit einem hinterhältig erhöhten Ton — genau deshalb klingt es so verwunschen und unaufgelöst. Wirf einen Blick in die Moll-Tonart, wenn du wissen willst, warum traurig traurig klingt.
Und ja, es ist verdächtig nah an Killing Jokes „Eighties" — aber darüber reden wir auf Partys nicht. Wer die heruntergestimmte Version will, findet die Guitar-Pro-Datei und die Originalvideos auf meinem Patreon, wo niemand jemanden verklagt.