Irgendwann um 1982 herum ist eine Basslinie aus dem Studio entwischt, und seither wohnt sie mietfrei in jedem menschlichen Schädel. Du brauchst nicht mal den Gesang — nach vier Tönen hat dein Gehirn den Rest schon vorbestellt, den Drum-Fill eingezählt und gegen deinen Willen mit dem Moonwalk angefangen.
Das hier sind 19 Sekunden kleiner Anmaßung: Ich nehme Michael Jacksons berühmteste Basslinie und quetsche sie als einfache Version in g-Moll auf sechs Saiten. Kein Bassist, kein Keyboard, kein Quincy Jones — nur eine Gitarre, die eine ganze Rhythmusgruppe sein will und damit meistens durchkommt.
Wie die Billie-Jean-Basslinie auf der Gitarre funktioniert
Jetzt der demütigende Teil: Die Töne sind fast schon peinlich einfach. Es ist ein Zwei-Takt-Loop, der überwiegend um Grundtöne und Quinten einer Moll-Progression herumspaziert, mit ein paar Tonleiterschritten als Kleber. Der Zauber lag nie in den Tönen — es ist das Pocket, das Timing. Jeder Ton ist eine knackige Achtel, direkt nach dem Anschlag abgedämpft, damit der Groove in den Lücken atmet. Auf der Gitarre heißt das: Deine Greifhand spielt Einzeltöne wie ein Bassist, und deine Anschlagshand benimmt sich wie ein Metronom ohne Kaffee. Das Original steht in fis-Moll; ich habe es einen Halbton hoch nach g-Moll geschoben, weil es dort bequemer liegt — und wer die „echte" Tonart will, muss es einfach wieder zurücktransponieren. Konkreter Tipp: Jag nicht dem Tempo hinterher, jag der Gleichmäßigkeit — leg jeden Ton exakt auf den Klick und dämpfe die Pausen bewusst, genau wie beim Spielen einer Basslinie auf der Gitarre.
Wenn du es einmal spielst und es dir nicht drei Tage im Kopf hängen bleibt, herzlichen Glückwunsch — du bist vermutlich offiziell untot. Tab, PDF und GuitarPro-Datei gibt's auf meinem Patreon, und dann ärgere bitte verantwortungsvoll deine Nachbarn.