Manche Riffs flüstern. Dieses hier tritt die Tür ein, trinkt deinen Met und fordert den Kühlschrank zum Zweikampf. Amon Amarths The Pursuit of Vikings sind 43 Sekunden, in denen ich meine tiefe H-Saite davon überzeuge, dass auch sie einst ein Kloster geplündert hat.
Der Clip spielt die Hauptriffs des Songs auf der Gitarre — den galoppierenden, palm-muted Motor und die schwebende Melodic-Death-Metal-Harmonie obendrauf. Es klingt wie ein Wikinger-Langboot, das gleichzeitig ein Metronom ist, das dich hasst.
Wie das Pursuit-of-Vikings-Riff wirklich funktioniert
Zuerst das Langweilige-aber-Entscheidende: das Tuning. Der Song lebt im H-Standard (H–E–A–D–Fis–H), deine tiefste Saite fällt also eine ganze Quarte unter das normale E. Dieses fette, schlabbrige tiefe H ist die komplette Persönlichkeit des Riffs — deshalb klingt es nach Schlacht und nicht nach Werbejingle. Die Hauptfigur ist ein palm-muted Galopp auf der leeren H-Saite, und das Geheimnis liegt in der Anschlagshand: Parke den Handballen nahe am Steg auf den Saiten und treibe alles mit einem Achtel-Galopp aus Ab–Ab–Auf. Übe das langsam zum Metronom, denn „episch" zerfällt sofort zu „Matsch", wenn der Galopp schludrig wird. Falls Palm Muting noch fremd ist, fang bei meiner Palm-Dämpfer-Erklärung an.
Dann kommt das „Melodic" im Melodic Death Metal: über dem tiefen Wummern stapelt Amon Amarth eine eingängige Moll-Melodie, und viel von ihrer typischen Größe ist einfach diese Melodie in Terzen harmonisiert — eine Gitarre spielt das Thema, die andere begleitet es eine Terz höher. Denselben Trick hörst du hauchnah in meinem Symphony-X-Terzen-Clip. Konkreter Tipp: erst den Galopp-Rhythmus sitzen lassen, dann die Melodie dazu, ganz zum Schluss harmonisieren — genau in dieser Reihenfolge.
Machst du es richtig, fühlst du dich gesetzlich verpflichtet, wie beim Anblick eines Fjords in die Ferne zu starren. Machst du es falsch, hast du eine sehr wütende Nähmaschine erfunden. Du willst das PDF und die Guitar-Pro-Datei, um im eigenen Tempo zu plündern? Gibt's alles auf meinem Patreon.