Manche Leute meditieren. Ich loope zwölf Minuten lang zwei Akkorde und nenne das persönliches Wachstum. Willkommen zu meinem A-Dorisch Backing Track, in dem sich Am und D7(9) mehr oder weniger ewig abwechseln und deine Aufgabe darin besteht, so zu klingen, als hättest du jeden Ton so gewollt.
Genau das ist dieser Clip: ein langer, geduldiger Jam Track zum Improvisieren über einer Am-nach-D-Wechselei. Kein Solo von mir, das dir im Weg steht, kein Drummer, der schneller wird, sobald er sich freut — nur die zwei Akkorde, viel Platz und genug Anlauf, um dein Phrasing wirklich zu festigen, statt dich in acht Takten zu verhaspeln und aufzugeben.
Wie der A-Dorisch-Sound wirklich funktioniert
Der ganze Trick in einem Satz: A-Dorisch ist einfach A-natürlich-Moll mit einem einzigen ausgetauschten Ton — aus der kleinen Sexte (F) wird die große Sexte (Fis). Dieses eine Fis ist die komplette Persönlichkeit des Modus. Und es ist kein Zufall, dass der zweite Akkord D-Dur ist (ein D7, aufgehübscht mit einer 9): die große Terz eines D-Akkords ist genau dieses Fis. Wenn der Track also von Am nach D wechselt, richtet die Harmonie im Grunde einen Scheinwerfer auf den einen Ton, der Dorisch von ganz gewöhnlichem, traurigem Moll unterscheidet.
Konkret zum Mitnehmen: Über dem Am darfst du frei durch A H C D E Fis G streifen, aber über dem D-Akkord peilst du bewusst das Fis an. Lande darauf, zieh dich hinein, bleib eine Zählzeit zu lang darauf hängen. Spielst du dort stattdessen ein F, hörst du, wie der Modus in ganz normales Moll zurückfällt — gut zu wissen, denn ab jetzt kannst du den Dorisch-Geschmack absichtlich ein- und ausschalten. Und wenn du die größere Landkarte willst: Es ist Modus Nummer zwei unter den sieben Dur-Modi.
Zwölf Minuten sind eine lange Zeit allein mit einer erhöhten Sexte, also teil dir das ein — oder lass es sein, und überlass den Nachbarn die Beschwerde. Akkord-Voicings, Tonleiter-PDFs und das MP3 warten alle auf meinem Patreon.