Über nur Schlagzeug zu spielen hat eine ganz eigene Art von Nacktheit. Kein Bass, der dir die Hand hält, keine Akkorde, die dir zuflüstern, welche Töne „erlaubt“ sind — nur ein Beat, das Ticken des Countdowns und 40 Sekunden pures „bitte blamier dich jetzt nicht vor dem ganzen Internet“. Also habe ich mich natürlich sofort angemeldet.
Dieser kleine Clip ist mein Beitrag zur 40 Seconds Guitar Challenge von Schlagzeuger Marc Friedrich, bei der jeder ein Riff plus ein paar Licks und Linien über nichts als einen Drumbeat improvisiert. Vierzig Sekunden, ein Groove, null Rettungsnetz — eine winzige Demonstration, wie viel (oder wie wenig) man sagen kann, wenn nur du und der Pocket übrig bleiben.
Wie das Improvisieren über nur einen Drumbeat wirklich funktioniert
Der schöne Trick, vor dem dich niemand warnt: Wenn es keine Akkorde gibt, gibt es keine falschen Töne — nur falsche Rhythmen. Ist die Harmonie erst mal aus dem Bild, wird deine Phrasierung zum ganzen Song. Statt Tonleitern hinterherzujagen, verankere ich also alles am Schlagzeug: die stärksten Töne auf den Backbeat, Löcher lassen, wo die Bassdrum atmet, und ein rhythmisches Motiv wiederholen, damit das Ohr etwas zum Festhalten hat. Ein Riff ist kein Haufen Töne — es ist eine Gestalt, die man summen kann, und der Rhythmus gibt ihr diese Gestalt. Probier's: loope einen einzigen Drum-Groove, erfinde eine zweitaktige Rhythmuszelle und entscheide erst dann, welche Tonhöhen du daran hängst. In zehn Minuten schreibst du bessere Riffs als in einer Woche Herumgedudel.
Die andere Hälfte ist Lick-Erstellung unter Druck — Frage und Antwort mit einem Schlagzeuger, der dir gar nicht antworten kann, also antwortest du dir selbst. Motiv, Echo, Wendung, Auflösung.
Wie auch immer: 40 Sekunden sind entweder herrlich kurz oder die längste Minute deines Lebens — je nachdem, wie der erste Ton läuft. PDF und Guitar Pro dazu gibt's auf meinem Patreon — klaut ruhig meine Rhythmuszellen, ich bestehe darauf.